Digitalisierung und Mittelstand müssen Freunde werden

Peter Sinn über den digitalen Wandel

Der digitale Wandel ist in vollem Gange und hat auf nahezu alle Branchen und Unternehmensbereiche gravierende Auswirkungen. Auch das Controlling ist davon betroffen. Noch nie dagewesene Datenströme – viele in Echtzeit verfügbar, neue Datenkategorien und Informationsquellen sowie daraus ableitbare Business-Intelligence-Werkzeuge und Analyse- sowie Prognose-Tools verändern die Arbeit der Controller und ihr Kompetenz- und Anforderungsprofil grundlegend. Doch auch wenn dieser Wandel technikgetrieben ist, bleiben Controllern ausreichend Möglichkeiten, proaktiv ihre Rolle weiterzuentwickeln – insofern sie die Veränderungen erkennen und die damit zusammenhängenden Herausforderungen annehmen. Oder, wie Peter Sinn, Gründer und ehemaliger Vorstand der CP Corporate Planning AG, im Interview sagt: „Die Unternehmen brauchen zunächst einmal den Mut, sich mit den neuen Entwicklungen zu beschäftigen.“

Herr Sinn, Sie sagen, die Digitalisierung wird das Controlling radikal verändern. Welche Veränderungen sehen Sie bereits im Berufsbild des Controllers?

Hier passiert etwas sehr Spannendes. Zum ersten Mal in der Geschichte des Controllings beobachten wir, dass sich das Rollenbild anpassen muss, weil sich die Technologie um uns herum verändert. Bisher war es im Controlling so, dass die Anforderungen aus der Praxis bestimmt haben, was die Technologie zu leisten hat. Mit der fortschreitenden Digitalisierung laufen bereits viele Prozesse im Controlling automatisiert ab und das Thema Self-Service-BI ist allgegenwärtig. Dieser Trend wird sich verstärken. Das bedeutet, die Entscheider führen Analysen immer öfter ohne externe Hilfe ad-hoc durch. Die klassischen „Zuliefertätigkeiten“ des Controllers werden weniger gebraucht. Gleichzeitig wächst die Zahl der Entscheider. Jeder Mitarbeiter wird quasi selbst zum Controller. In diesem Zuge wird der eigentliche Controller neue Kompetenzen entwickeln, damit er diese neuen Prozesse des Self-Service unterstützen und lenken kann. Neben den Aufgaben der Koordination und der Kommunikation werden auch immer mehr technologische Anforderungen das Berufsbild des Controllers prägen. Das bietet natürlich neue Möglichkeiten und Karrierewege.

Corporate Planning ist mit seinen Software-Produkten seit 30 Jahren am Markt und betreut über 10.000 Anwender aus dem Mittelstand. Wie sieht es Ihrer Erfahrung nach wirklich im Mittelstand aus?

Wir erleben immer wieder, dass der deutsche Mittelstand mit grundlegenden Dingen kämpft. Dazu gehören die Integration von Daten, die Datenqualität und wie Geschäftsprozesse sinnvoll strukturiert werden können. Die Unternehmen wissen, dass sie wendig und agil werden müssen. Sie wissen auch, dass dazu technologische Unterstützung notwendig ist. Aber der Mittelstand muss sich erst seine Basis schaffen.

Was braucht der Mittelstand Ihrer Meinung nach?

Die Unternehmen brauchen zunächst einmal den Mut, sich mit den neuen Entwicklungen zu beschäftigen. Dazu braucht es kluge Köpfe, wie zum Beispiel Entscheider und Controller, die Geschäftsprozesse flexibel gestalten, Ergebnisse richtig interpretieren und auf Trends reagieren. Diese wiederum benötigen dafür eine Technologie, mit der sie analysieren können und die sie intelligent bei der Planung unterstützt. Es wird noch mehr zur zentralen Aufgabe des Controllings, auf Basis einer guten Planung die Zukunft des Unternehmens zu gestalten.

Was bedeutet die Digitalisierung für Sie als Anbieter?

Digitalisierung bedeutet Transformation in Richtung einer datengetriebenen Organisation. Unsere Aufgabe ist es, dem Controller die für ihn relevanten Informationen zur Verfügung zu stellen. Wir verfolgen seit je her die Philosophie, dass der Controller kein Technologe oder gar Entwickler sein muss. Unserem Verständnis nach muss eine Software für die Unternehmenssteuerung betriebswirtschaftlicher Logik folgen. Konkret bedeutet das, dass unsere Lösungen entsprechend dem natürlichen Denkmuster des Anwenders arbeiten und nicht, dass sich der Anwender nach der Software richten muss. Unsere Lösung bringt Daten in eine hierarchische Ordnung. Das ist die Denkweise des menschlichen Gehirns. Man beginnt an einem Punkt zu denken und verzweigt sich von dort aus immer weiter ins Detail. Genauso wachsen Bäume. Deswegen stellen wir betriebswirtschaftliche Zusammenhänge nicht in Cubes oder nur in Tabellen dar, sondern in der Struktur eines Baumes. Aus diesem Grund kann unsere Software praktisch jeder bedienen und Ergebnisse nachvollziehen.

Welche Herausforderungen sehen Sie für sich in den nächsten Jahren?

Die Arbeitszeit als Gut wird noch wertvoller werden. Das bedeutet, sich wiederholende Tätigkeiten werden automatisiert. Übrig bleiben in der Unternehmenssteuerung wertbringende Tätigkeiten. Im Zuge der Digitalisierung wird unsere Lösung immer mehr Elemente einer künstlichen Intelligenz annehmen, die wiederkehrende Muster erkennt und werthaltige Lösungsvorschläge erarbeitet. Wir beschäftigen uns schon lange mit den Themen des „Machine Learning“. Unsere Herausforderung ist es, unsere Lösung kontinuierlich in diese Richtung weiterzuentwickeln ohne die menschliche Wichtigkeit von Entscheidungen aus den Augen zu verlieren.

Artikel kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.