„Ohne Kulturwandel keine erfolgreiche digitale Transformation“

Bestseller-Autor Sebastian Purps-Pardigol im Interview

Die digitale Transformation ist mehr als die Einführung neuer Technologien. Wenn der technologische Wandel gelingen soll, klappt das nur mit einem zeitgleichen Kulturwandel. Die Zusammenarbeit der Menschen verändert sich und damit auch ihre Beziehungen untereinander. Unternehmen sollten die Chance nutzen, das Miteinander neu und besser zu gestalten, meint Sebastian Purps-Pardigol. Und empfiehlt eine „Führung mit Hirn“, damit Menschen wieder über sich hinauswachsen und Organisationen ihr Potenzial noch besser entfalten können. Was eine solche Führungskultur auszeichnet und welche Rolle dabei die moderne Hirnforschung spielt, verrät der Organisationsberater und Bestseller-Autor im Interview.

Sie raten Organisationen beim Umgang mit der fortschreitenden Digitalisierung zu mehr Menschlichkeit. Warum?

Purps-Pardigol: Viele Führungskräfte glauben, sich bei der digitalen Transformation auf die Einführung neuer Technologien konzentrieren müssen. Damit ist es aber nicht getan. Die Welt verändert sich rasend schnell. Neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entstehen. Und wenn man sie nicht selbst entwickelt, zieht ein anderer an einem vorbei. Unternehmen müssen immer schneller reagieren und immer mehr über sich hinaus wachsen. Dafür müssen die Mitarbeiter ihr Unternehmen aber als ein Umfeld erleben, das ihnen gut tut. Elemente wie Verbundenheit, Mitgestaltung, Sinnhaftigkeit und Angstfreiheit spielen dabei eine Rolle. Eine Führungskultur, die eine bessere Beziehungsqualität zwischen den Menschen ermöglicht, führt nicht nur zu gesünderen und glücklicheren Mitarbeitern, sondern steigert auch den Unternehmenserfolg, da diese Menschen mehr der in ihnen liegenden Potenziale, ihrer eigenen Kreativität einbringen können.

Wie sieht die Realität in Unternehmen aus? Welche Erfahrungen machen Sie bei Ihrer Tätigkeit als Organisationsberater?

Purps-Pardigol: In vielen Unternehmen werden Menschen immer noch als Objekte, als „Human Resources“ gesehen. Es gibt immer noch Führungskräfte, die glauben, dass man mit Druck und Angst bessere Ergebnisse erreicht. In manchen Fällen mag das kurzfristig auch funktionieren. Mittel- und langfristig braucht es aber mehr, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern, nämlich Wertschätzung, Mitgestaltung und Begegnung auf echter Augenhöhe. Dafür müssen sich Unternehmen und Führungskräfte fragen, wie es ihren Mitarbeitern geht. Und was diese brauchen, damit sie sich wohlfühlen und voll einbringen können und wollen.

Welche Rolle spielt dabei die Hirnforschung?

Purps-Pardigol: Die moderne Hirnforschung kann uns helfen, altes Wissen wiederzuentdecken und anzuwenden, das wir eigentlich in uns tragen: Beispielsweise, dass Verbundenheit etwas ist, das uns gut tut. Fehlt diese, gerät das Gehirn eines Menschen in neuronale Übererregung. Viele Führungskräfte sind auch nach wie vor der Meinung, dass im Unternehmen kein Platz für solche Aspekte ist. Ich sehe die moderne Neurowissenschaft gerne als trojanisches Pferd, um die Köpfe dieser Alphatiere für etwas zu öffnen, was zutiefst menschlich ist – für neurologische Grundbedürfnisse wie die erwähnte Verbundenheit aber auch Mitbestimmung zum Beispiel. Manchen ist gar nicht bewusst, was sie in den Hirnen ihrer Mitarbeiter anrichten. Wenn sie aber ihr Handeln und die Folgen erst einmal verstanden haben, dann können sie sich bewusst für oder gegen bestimmte Verhaltensweisen entscheiden und auf diese Weise dazu beitragen, dass ihre Mitarbeiter und damit auch ihr Unternehmen über sich hinaus wachsen können.

Wie bekommen Unternehmen den notwendigen Kulturwandel für eine erfolgreiche Digitalisierung hin? Gibt es ein Erfolgsrezept?

Purps-Pardigol: Es gibt keine Blaupause, jedes Unternehmens muss seinen eigenen Weg gehen. Am Anfang steht aber immer eine kritische Zahl von Führungskräften, die bereit und gewillt ist, an sich selbst und einem Kulturwandel im Unternehmen arbeiten. Und die belohnt werden, wenn sie die notwendige Zeit und Energie investieren – mit loyaleren und zufriedeneren Mitarbeitern sowie einer positiven Entwicklung der wirtschaftlichen Kennzahlen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Kommunikation. Die Digitalisierung stemmt nur, wer seine Mitarbeiter mitnimmt. Die digitale Transformation ist schließlich nicht einfach nur ein neues Projekt, sondern eine grundlegende Veränderung der Zusammenarbeit von Menschen im Unternehmen.

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