Planen wie der Weihnachtsmann

Über logistische Meisterleistungen, Realtime-Analysen und KPIs

Über 4 Millionen eingegangene Wunschzettel, mehr als 62 Millionen verpackte Geschenke und 106 Millionen brave Kinder, die sich sehnsüchtig auf Weihnachten freuen: Kaum einer hat im Moment mehr um die Ohren als der Weihnachtsmann. Im Interview erklärt der Marktführer unter den Geschenkebringern, wie er seine Unternehmung plant, dafür sorgt, dass die Geschenke bei allen Kindern rund um den Erdball pünktlich ankommen und wie er sein Saisongeschäft auch in der Sommerflaute auf Kurs hält.

Sie beeindrucken nicht nur Kinder, sondern auch die Logistiker. Denn Sie schaffen es zuverlässig, alle Weihnachtsgeschenke über verschiedene Zeitzonen hinweg zur richtigen Zeit an die richtigen Empfänger zu liefern. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis?

Weihnachtsmann: Das ist schon eine große Herausforderung, zumal die Menschen in unterschiedlichen Ländern ja auch noch verschiedene Zeiten für ihre Bescherung haben. Doch auch ich als Traditionsunternehmer profitiere mittlerweile von der Digitalisierung. Ich setze längst auf eine Planungslösung, mit der ich verschiedenste Einflussfaktoren auf meine Supply Chain berücksichtigen kann – und zwar in Realtime. Sobald mir Abweichungen vom System gemeldet werden, steuere ich sofort zielgerichtet gegen. Muss etwa in einer Familie die Bescherung um einige Stunden vorgezogen werden, weil die Kleinkinder nicht mehr länger warten wollen, kann ich schnell umdisponieren und die Geschenke als erstes hierher liefern.

Sie betreiben eines der wichtigsten Saisongeschäfte. Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Unternehmung „off-the-season“ nicht ins Schlingern gerät?

Weihnachtsmann: Zunächst einmal stehen in meinem Business weniger kosten- als vielmehr zeitoptimale Ergebnisse eine Rolle. Aber natürlich ist in beiden Fällen eine gute Planung das A und O. Diese hängt nicht zuletzt von einer aussagekräftigen Analyse ab. Meine IT-Lösung kann mir zum Beispiel auf Knopfdruck die Schadensquote für empfindliche Geschenke aus den vergangenen Jahren aufzeigen. Die Vorausschau hilft mir enorm. Anhand der KPI kann ich meinen Rentierschlitten optimal bepacken und alles kommt heil an. Großes Augenmerk gilt natürlich der datengetriebenen Analyse verspäteter Zustellungen, um dem fürs nächste Fest vorzubeugen. Denn was bei normalen Logistikunternehmen „nur“ zu unzufriedenen Kunden führt, hat bei mir traurige Kinder zur Folge. Grundsätzlich beginne ich schon im Januar und Februar damit, die Trends für das nächste Fest aufzuspüren. Wobei es ja immer einen Grundstock an Evergreens gibt, die ich entsprechend einplanen kann. Ich denke da zum Beispiel an Lego, Schmuck und Socken.

Welche Trends sehen Sie als Super-Logistiker für Ihre Branche?

Weihnachtsmann: Die Basis ist durch die Digitalisierung gelegt: Es wird noch vernetzter, noch agiler, Systeme werden sich zunehmend selbst optimieren. Ein großes Thema wird sicherlich die Verbindung von intelligenter Analyse mit Planung sein. Die Analyse der Daten in Echtzeit ermöglicht es, Kundenbedürfnisse flexibel zu bedienen oder anhand von Forecasts vorwegzunehmen, so dass man einen Zeitvorteil gegenüber seinen Konkurrenten gewinnt. Der Einsatz der richtigen Technologie hat einen großen Einfluss auf den Erfolg einer Unternehmung. Das ist selbst in meinem Business nicht anders als bei allen anderen.