Wer hat Angst vorm Bundesteilhabegesetz?

Keine Probleme im Umgang mit dem Bürokratiemonster

Mit Beginn des Jahres 2020 greift die 2. Stufe des Bundesteilhabegesetzes, kurz BTHG. Es soll behinderten Menschen mehr Teilhabe und Selbstbestimmung und damit größeren individuellen Handlungsspielraum ermöglichen.

Neben einem neuen Behinderungsbegriff führt das BTHG zahlreiche Änderungen hinsichtlich des Eingliederungshilferechts und der Abrechnungsgrundlagen ein. Für jede Person mit Handicap muss ein sogenannter Teilhabeplan ausgearbeitet werden.

Alle verfügbaren Leistungen werden zukünftig in zwei Hilfearten unterteilt und getrennt finanziert. Unterschieden wird zwischen den Hilfen zum Lebensunterhalt und den Fachleistungen zur Bewältigung des Lebens wie etwa therapeutische oder pädagogische Angebote. Für Sozialverbände und Träger der Eingliederungshilfen bedeutet das einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand.

„Das BTHG bedeutet für die Eingliederungshilfe nicht weniger als einen Paradigmenwechsel. Im Grunde müssen sich die Leistungserbringer in Teilen neu erfinden. Dies gilt insbesondere für die Anbieter stationärer Wohnformen“, so die Einschätzung von Carsten Effert, Geschäftsbereichsleiter Eingliederungshilfe der rosenbaum nagy unternehmensberatung GmbH, die mit über 1.200 Projekten eine der führenden Beratungen in der Sozialwirtschaft ist. „Gefordert sind unter anderem die Entwicklung neuer Angebotsformen sowie deren Planung und Steuerung.“

Was in der Theorie einfach scheint, erweist sich in der praktischen Umsetzung als kompliziert. Mit dem Bundesteilhabegesetz werden viele Anbieter der Behindertenhilfe mit klassischen Fragestellungen der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft konfrontiert. Und zwar sobald der Bereich „Wohnen“ zu ihrem Leistungsangebot gehört. Konkret heißt das: Bei Behinderten, die in Wohngruppen wohnen, müssen zukünftig die reinen Wohnkosten penibel von den anderen Eingliederungshilfen getrennt werden. Die Betreuung wird über die Fachleistungen abgerechnet, während die Wohn- und Lebenskosten von den Behinderten als Sozialhilfe beantragt werden. Die Sozialverbände werden damit de facto zu Vermietungsgesellschaften. Sie müssen sich damit auseinandersetzen, dass in einer ambulant betreuten Wohngruppe die Zimmer des Einzelnen als „Wohnfläche“, die Flure als „Mischfläche“ und das von allen genutzte Wohnzimmer als „Fachleistungsfläche“ jeweils unterschiedlich zu gewichten und anteilig auf die einzelnen Bewohner umzulegen sind.

Allein dieses Beispiel zeigt die gewaltigen Herausforderungen des BTHG für Sozialverbände und Träger der Eingliederungshilfen in puncto Verwaltungsaufwand.

Ein hilfreiches Instrument, mit dem Leistungsträger und -erbringer die komplexen gesetzlichen Neuregelungen korrekt umsetzen können, bieten professionelle Planungslösungen. „Aufgrund der kleinteiligeren Leistungserbringung und der zeitnahen Steuerung des Ressourceneinsatzes sind Leistungs- und Ressourcenplanung (Personal, Betriebsmittel, Räume, Transport und Fahrzeuge, Hilfsmittel und Versorgung) künftig sinnvoll nur noch über Software möglich. Dazu ist eine enge technische und fachliche Verzahnung von Klientenverwaltung und Personaleinsatzplanung notwendig, um detaillierte und aktuelle Berichte über die eingesetzten Ressourcen erhalten zu können“, erklärt der Fachverband Informationstechnologie in Sozialwirtschaft und Sozialverwaltung (FINSOZ e. V.) in seinem Positionspapier BTHG.

Wohlfahrtsunternehmen, die nach einer passenden Planungslösung suchen, rät Carsten Effert: „Achten Sie unbedingt darauf, dass der Lösungsanbieter über Branchenexpertise verfügt und lassen Sie sich entsprechende Best Cases als Referenzen zeigen.“

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Über den Autor: Mike Santinato ist als Branch Manager | Social & Healthcare der CP Corporate Planning AG direkter Ansprechpartner für Kunden und Interessenten aus der Gesundheits- und Sozialbranche. Zuvor war der Diplom-Kaufmann viele Jahre in der betriebswirtschaftlichen Beratung mit Schwerpunkt Sozial- und Gesundheitswirtschaft tätig.