Wird die Wohnungswirtschaft zum Wegbereiter der E-Mobilität?

Komplexe Entscheidungen im Kampf gegen den Klimawandel

Der Klimawandel stellt uns vor eine Herausforderung von globaler Dimension und hoher Komplexität. Beispiel: Mobilität. Deutsche Politik und Autoindustrie setzen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes auf Elektro-Autos – und schaffen damit ein fragwürdiges Geschäftsfeld für die Wohnungswirtschaft.

E-Mobilität braucht E-Autos… und Ladesäulen

Die Durchsetzung der E-Mobilität geht über den Austausch der Antriebskraft hinaus. Ohne ein flächendeckendes Ladesäulennetz steigen Privatleute nicht auf E-Autos um. Hier kommen themenfremde Marktteilnehmer wie die Wohnungswirtschaft auf den Plan. Bereits 2018 befand die Deloitte-Studie „E-Mobility: Ladeinfrastruktur als Geschäftsfeld“, dass sich für Unternehmen mit der Kernkompetenz „Konsum & Gebäude“ der Ausbau des eigenen Geschäftsmodells um die Bereitstellung einer Ladeinfrastruktur geradezu anbietet. Doch wieso?

Mobilität beginnt und endet, wo Menschen wohnen

Aufgrund der Ladezeiten von Elektroautos von aktuell bis zu 14 Stunden soll das Laden im Alltag möglichst dort erfolgen, wo die Autos ohnehin geparkt werden. Statt an Tankstellen beziehen E-Autos ihren Strom üblicherweise in der Nähe des Arbeitsplatzes, am Einkaufszentrum oder zuhause, denn Mobilität beginnt und endet am Wohnort.

70.000 Ladesäulen bis 2020

Bisher betreiben Energieunternehmen den Großteil der rund 10.000 bei der Bundesnetzagentur gemeldeten Ladestationen. Die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) hat bis 2020 allerdings einen Bedarf von rund 70.000 öffentlichen Ladesäulen und 7.100 Schnellladesäulen ermittelt. Doch kann die Wohnungswirtschaft hier ohne weiteres einspringen?

(K)Ein rechtlicher Rahmen für das Geschäft mit dem Ladestrom

Die Installation einer Ladesäule in einer bestehenden Tiefgarage landete bereits 2017 vor Gericht. Eine Eigentümerversammlung legte ein Veto gegen den Wunsch eines einzelnen Wohnungsbesitzers ein und das Landgericht München bestätigte: Wohnungseigentümergemeinschaften müssen der Installation einer Ladesäule in Bestandsimmobilien nicht zustimmen. Und das gilt auch heute noch.

Anders bei Neubauten: In Verbindung mit eigener Stromerzeugung könnten Ladesäulen der Wohnungswirtschaft das von Deloitte skizzierte lukrative Geschäftsmodell eröffnen – wäre da nicht die Gewerbesteuer. Sowohl die Energieerzeugung als auch der Verkauf als Ladestrom führt für Wohnungsunternehmen bisher zum Verlust der sogenannten erweiterten Gewerbesteuerkürzung. Damit würden nicht nur die Stromerzeugung und -weitergabe, sondern auch die Mieten gewebesteuerpflichtig.

Das Miet- und WEG-Recht wie auch das Gewerbesteuergesetz stehen dem Engagement der Wohnungswirtschaft für E-Mobilität noch entgegen. Den rechtlichen Rahmen zu schaffen, liegt beim Gesetzgeber.

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